On y va à Paris: Unser Messebericht zur Cosmetic360
Oktober 20, 2017

Die Julie Soléy-Story 2016/2017

Da wir immer wieder gefragt werden, wie wir auf die Idee einer Sonnenschutz-Dusche kamen, haben wir uns entschlossen unsere bisherige Story doch ganz einfach als Blogbeitrag zu verfassen.



Wer ist Julie Soléy?

Die Julie Soléy GmbH besteht aus Julia Englert, Carsten Conrad, Patrick Rößler und Daniel Szkutnik. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, den Sonnenschutz der Haut einfacher, effektiver und komfortabler zu gestalten. Keine seltsamen Körperverrenkungen mehr, um an den eigenen Rücken zu gelangen, keine schmierigen Hände oder Sonnencreme auf der Badekleidung mehr. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene. Unsere vollautomatisierte Sonnenschutz-Dusche macht Sonnenschutz für die Haut so einfach wie Duschen und stellt dabei einen nahtlosen Rundum-Schutz binnen weniger Sekunden sicher. Die Sonnenschutz-Dusche soll im Pool- oder Strandbereich von 5*-Sterne-Hotels und Beachclubs sowie auf den Sonnendecks der Kreuzfahrtschiffe installiert werden. Durch unser Kapselsystem können wir ein breites Sortiment an Sonnencremes von unterschiedlichen Marken mit verschiedenen Ausprägungen von Lichtschutzfaktoren anbieten. So können wir, bzw. das Hotel, das die Sonnenschutz-Dusche stellt und die Kapseln an seine Gäste verkauft, auf die individuellen Wünsche der Gäste eingehen.

Wie ist die Idee zu Julie Soléy entstanden und wie haben wir uns als Gründerteam zusammengefunden?

Das war eher ein Zufall, als auf dem Reißbrett geplant. Julia, Carsten und ich (Daniel Szkutnik) kennen uns vom gemeinsamen MBA-Studium, das wir alle drei neben unseren Vollzeitjobs absolviert haben. Wir hatten im vorletzten Semester die Vorlesung Business Planning, in der es eigentlich nur darum ging, zu erlernen, wie man einen Businessplan schreibt. Doch dazu brauchten wir zunächst eine kreative Idee. Im gemeinsamen Brainstorming kam dann der Gedanke auf, dass man doch irgendetwas gegen das leidige Eincremen mit Sonnencreme machen müsste. Passend zur Außentemperatur im Sommer 2015. Fünf Minuten später stand die rudimentäre Idee, ein Gerät zu bauen, das es erlaubt sich automatisch mit Sonnenschutzmittel einzusprühen zu lassen. So begann der Entwurf eines Produktkonzepts mit einem tragfähigen Geschäftsmodell. Idee und Geschäftsmodell fanden nicht nur bei unserem Professor sehr großen Anklang, sondern auch bei Freunden und Bekannten. Wir merkten schnell, dass da einfach was dran ist an dem Thema und dass es sich lohnt es weiterzuverfolgen. Wir haben über ein Jahr neben unseren Jobs am Konzept weitergefeilt, Netzwerke zu Designagenturen, Prototypen- und Serienherstellern in Deutschland und im Ausland aufgebaut und auch an ersten Pitches teilgenommen. Aber erst im Juni 2016 haben wir uns entschlossen, das Vorhaben mit vollem Risiko anzupacken. Carsten hat seinen Job als Firmenkundenberater einer Genossenschaftsbank gekündigt und ich (Daniel Szkutnik) habe meine Stelle als Geschäftsleiter in einer großen Kommunikationsagentur auf ein Minimum reduziert. Julia bleibt zunächst in ihrem Job als globale Produktmanagerin bei einem großen Chemieunternehmen bis die Finanzierung unseres Startups sichergestellt ist. Unser Techniker Patrick kam schließlich im November 2016 zu uns. Er ist ein wahrer Glücksgriff, da wir schon seit Monaten nach technischer Verstärkung Ausschau gehalten haben. Wenn man nur Betriebswirte im Gründungsteam hat, nimmt einem in Deutschland niemand die technische Kompetenz ab, die benötigt wird unser Produkt zu durchdenken, den ersten Prototypen zu bauen, sowie die Schnittstellen zwischen Produktdesignagentur und Prototyper/Serienhersteller zu steuern. Patrick hatte gerade selbst Ausschau nach neuen Herausforderungen gehalten und stieß über den Tipp eines Bekannten auf uns und war sofort Feuer und Flamme.

Warum haben wir uns entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Es ist wohl eine Mischung aus Selbstverwirklichung, Entdeckergeist und der Freude daran, etwas wirklich Neues zu entwickeln. Wahrscheinlich sind das die Auslöser, um sich aus den bestehenden, guten Jobs herauszulösen und etwas Eigenes auf die Beine stellen zu wollen. Dazu kommt noch dieses Gefühl permanent im Flow-Zustand – also wenn Sinn, Selbstbestimmung und Herausforderung zusammen kommen – zu arbeiten. Das peitscht unglaublich an und gibt Dir das Gefühl jedes Problem meistern zu können. Wichtig dabei ist, vor allem der Teamspirit. Das Vertrauen zwischen uns Gründern ist sehr groß und wir wissen, dass wir uns blind aufeinander verlassen können.

Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen?

Geldbeschaffung. Daran arbeitet ein Startup quasi stetig. Gerade beim Entwickeln von Hardware ist der Materialaufwand anfangs wesentlich höher, als bei den häufig anzutreffenden IT-Startups. Wir haben im März 2017 unser Unternehmen offiziell gegründet. Kurze Zeit später konnten wir mit der Investitions- und Strukturbar Rheinland-Pfalz unseren ersten Investor für das Vorhaben überzeugen. Den Bau des ersten Prototypen begannen wir aber schon im November 2016. Angefangen bei einem ersten Holzmodell im Keller eines Freundes mit einem kleinen Büro in der Kommunikationsagentur trio-group bis hin zu unserer ersten richtigen Werkstatt mit Büros in Neustadt/Weinstraße. In dieser Zeit haben wir unseren Prototypen bisher nahezu in die Serienreife bekommen. Steuerung der Achsen und Düsen, Sensorik, modulares Gestell, etc. haben wir alles selbst entwickelt. So auch die ersten Kapselformen. Die 3D-Drucktechnologie hat uns dabei sehr geholfen. Einzelteile selbst zu entwerfen und in wenigen Stunden drucken zu können, hat unser Prototyping immens beschleunigt. Wir sind auch bereits in konkreten Gesprächen mit namhaften Sonnencremeherstellern, die wir von unserer Produktidee begeistern konnten.

Wie kommt die Idee bei Hotels usw. an?

Die Idee kommt bei Hotels sehr gut an. Um den konkreten Marktbedarf zu ermitteln, sind wir kurzerhand im September/Oktober 2016 nach Griechenland und in die Vereinigten Arabischen Emirate geflogen und haben die für uns passenden Hotels direkt besucht. Dabei haben wir uns mit einem Tablet in der Hand zum jeweiligen Hotelmanager durchgefragt. Auf diese Weise, und mit zusätzlichen Telefoninterviews mit spanischen und deutschen Hotelmanagern, konnten wir direkt mit den Kaufentscheidern persönlich sprechen und dabei wichtige Einblicke in die Hotelbranche gewinnen und vor allem erste Vertriebskontakte knüpfen (s. dazu unsere Hotelstudie). Das Ergebnis war überwältigend: nahezu alle Hotels fanden unsere Idee und die ersten Konzeptzeichnungen sehr überzeugend und wir könnten unsere Sonnenschutz-Duschen bereits jetzt bei 12 Hotels aufzustellen. Da aber neben den Hotels als Käufer, die Anwender – also die Urlauber/Gäste – als Nutzer der Sonnenschutz-Dusche dem Produkt erst Relevanz verleihen, haben wir auch eine Nutzerstudie aufgesetzt, in der wir 357 potenzielle Anwender befragt haben. Auch hier hat das Ergebnis unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Über 80% der Teilnehmer finden das Eincremen mit Sonnenschutzmittel lästig und würden unsere Sonnenschutz-Dusche ein- bis mehrmals am Tag nutzen.

Wie genau soll die Julie Soléy Sonnenschutz-Dusche funktionieren?

Zunächst kauft sich der Gast entweder an der Rezeption oder direkt an der Sonnenschutz-Dusche am Automaten die Sonnencreme-Kapsel mit der bevorzugten Sonnencreme-Marke und dem zum Hauttyp passenden Lichtschutzfaktor. Der Gast betritt die Sonnenschutz-Dusche und schließt die Tür hinter sich. Jetzt kann er/sie sich entkleiden und seine Wertsachen verstauen. Die Kapsel wird in die dafür vorgesehene Vorrichtung eingelegt und der START-Knopf betätigt. Ein Display weißt den Gast daraufhin, die innere Kabine zu betreten. Der Gast betritt diese und stellt sich auf die gekennzeichneten Markierungen auf dem Boden der Sonnenschutz-Dusche. Die Sensoren in der Kabine messen automatisch die Körpergröße des Anwenders. Somit wird sichergestellt, dass die Sonnencreme auf dem Körper gleichmäßig aufgetragen und der Kopf ausgespart wird. Somit gelangt kein Sprühnebel in die Augen, Atemwege oder in die Haare. Damit dies sichergestellt wird, haben wir zusätzlich zur akkuraten Düsensteuerung ein Luftschild entwickelt. Dies bedeutet, dass ein feiner Luftstrom in Höhe des Schlüsselbeins des Gasts ausgestoßen wird. Ein weiterer Vorteil des Luftschildes ist die automatische Trocknung des Körpers, indem es nach dem Sprühgang mit Sonnencreme den Körper des Anwenders von Schulter bis Fuß abfährt. Somit entfällt das Eincremen oder Nachcremen per Hand komplett. Der Gast kann sich nach der wenige Sekunden dauernden Anwendung wieder ankleiden und den Tag in der Sonne genießen. Die Sonnenschutz-Dusche reinigt sich nach jeder Anwendung von selbst. Hygiene ist bei unserem Produkt ein wesentlicher Baustein. Daher sind die Innenwände der Kabine mit einer Lotusbeschichtung überzogen, damit Sonnencreme-Rückstände komplett abgespült werden können.

Wie weit sind wir mit der Entwicklung?

Wir stecken gerade mitten in der finalen Phase beim Bau unseres zweiten Prototypen und planen bis Ende Februar 2018 mit diesem fertig zu sein. Er wird alle wesentlichen Funktionen des Endprodukts beinhalten und ist von der Aufbauplanung bereit für die erste Kleinserie. Dinge, die wir erst im Nachhinein aufsetzen wollen sind beispielsweise, die Möglichkeit unsere Sonnenschutz-Dusche digital monitoren zu können, um Ausfälle zu registrieren und dem Hotelpersonal via Ferndiagnose schnell unterstützen zu können. Daneben streben wir mit unseren Datenanalysen an, den Hotels bedarfsgerecht und individuell die passenden Kapseln automatisch zu zuschicken noch bevor der Vorrat des Hotels sich dem Ende neigt.

Julie Soléy, 28.12.2017